Continental Drifters

Continental Drifters

Monkey Hill MON 6123-2
Carlo Nuccio (v,d)
Mark Walton (b)
Vicki Peterson (g,v)
Susan Cowsill (v,g)
Peter Holsapple (g,v)
Robert Maché (g)
Get Over It
Invisible Boyfriend
Highway Of The Saints
Mezzanine
Mixed Messages
I Can't Make It Alone
Soul Deep
Some Of Shelly's Blues
New York
Desperate Love
A Song For You

RS Review

Green On Red waren in ihrer Heimat Nobodies, die Bluerunners blieben obskur, und von den Zephyrs hat noch niemand gehört. Das Elend traditionsverpflichteter amerikanischer Rockmusik hat viele Väter. Die meisten sind Anwälte und sitzen in den oberen Etagen der Medienkonzerne. Andere sind Radiomacher. Oder hochdotierte Talent-Scouts, deren vornehmste Aufgabe es ist, Trends aufzuspüren.
Ein gutes Dutzend dieser Trüffelschweine stand im Frühjahr 1994 vor der Bühne des La Zona Rosa in Austin, Texas, und war sich mit dem völlig hingerissenen Publikum einig: Die Continental Drifters haben eine große Zukunft. Den nächsten Schritt wollte indes keiner tun. Die Zeit sei nicht reif fiir erdifgen, sumpfigen, gärenden Gitarren-Rock, wurde die Band beschieden, der Markt dafür sei zu unbedeutend.
Zum Glück waren den Continental Drifters Illusionen fremd. Die einzelnen Mitglieder hatten die bittersten Erfahrungen bereits hinter sich: Peter Holsapple mit den dB's, Mark Walton unter anderem bei Dream Syndicate. Auch der schnelle Erfolg war kein gänzlich Unbekannter: Vicki Peterson hatte ihn mit den Bangles kennengelernt und nach drei Jahren das Weite gesucht. Und Susan Cowsill, einst das Nesthäkchen in einer Hit-Familie, kannte das Geschäft sozusagen von der Pike auf. Die Liebe zur Musik war es, die sie zusammengebracht hatte, und ihre kommerziellen Ambitionen hielten sich von Anfang an in engen Grenzen. Live war die Mixtur aus California-Pop, Tennessee-Country und Louisiana-Soul jedoch eine so potente und süchtigmachende, daß der Gang ins Studio unumgänglich war.
Doch mischen sich Tränen in den Jubel. Gemessen an den Produktionsbedingungen ist "Continental Drifters" zwar ein mehr als respektables Album, gediegen und grundsolide. Wenn da nicht die Erinnerung an dieses euphorisierende Live-Erlebnis wäre, an diesen musikalischen Funkenregen, an dieses wunderbare Wechselbad zwischen Susan Cowsills selbstverloren-souligen Hitzewallungen und dem beinahe abgeklärten, dramaturgisch klugen Ensemble-Spiel. Daran gemessen wirkt die Platte nur halbherzig. Ein underachievement, nicht ohne Höhepunkte allerdings.
Holsapples "Invisible Boyfriend" und Cowsills "Desperate Love" sind aller Ehren wert. Etwas steril und anämisch klingen dagegen einige Cover-Versionen wie "Soul Deep", einst ein Hit für die Box Tops, oder Michael Nesmiths "Some Of Shelleys Blues".
Zu hoffen ist, daß es eine Fortsetzung geben wird. Ausreichend Zeit, ein kongenialer Produzent - und das Resultat könnte Maßstäbe setzen.
(3,5 Sterne)

Wolfgang Doebeling in Rolling Stone 10-95

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