The Rain Parade:

Crashing Dream

Ariola 804 822
Matt Piucci (v,g)
Steve Roback (b,v)
John Thoman (g,v)
Will Glenn (k)
Mark Marcum (d)
Depending On You
My Secret Country
Don't Feel Bad
Mystic Green
Sad Eyes Kill
Shoot Down The Railroad Man
Fertile crescent
Invisible People
Gone West
Only Business

SPEX-Review

Rain Parade kommen aus dem sonnigen Kalifornien und gehören mit ihren harmonischen, gitarrenorientierten Sound-Landschaften zu den überzeugendsten Vertretern eines modernen Folk-Rocks. Eigentlich läßt sich die vielschichtige Musik dieser seit 1981 existierenden Band aber auf keinen definierbaren, alleingültigen Stil festlegen: „Wir stecken in den unterschiedlichsten Musikstilen, vom Barock his zum Mittleren Osten. Das, was bei uns schließlich als Produkt herauskommt, ist für uns selbst immer eine Überraschung. Wenn wir im Studio sind und unsere eigenen Stücke einspielen, dann haben wir eigentlich nie das im Kopf, was uns ursprünglich beeinflußt hat.“
Mit diesen Zeilen haben The Rain Parade ihre ganz persönliche Einstellung zur Musik treffend charakterisiert. Und so konnte man auf ihren ersten beiden Studio-Alben (EMERGENCY THIRD RAIL POWER TRIP und EXPLOSIONS IN THE GLASS PALACE) auch deutliche Spuren des psychedelischen Westcoast-Beats der 60er Jahre finden (allen voran die Bands Moby Grape und Love).
Mit CRASHING DREAM scheint sich die Gruppe nun aber mehr auf dem weiten Feld elektrischer Folk-Rockklänge zu bewegen. Die Songs, die so stimmungsvoll und seicht dahinplätschern wie das sonnig-blaue Wasser auf dem Cover, sind in ihren Akkorden offen und weit gespielt und erinnern dabei an die Klangstrukturen orientalischer Musik. Die melodiösen Gitarren von Matt Piucci und John Thoman scheinen sich hier sowohl am britischen Mersey Beat als auch am folkigen Byrds-Sound (zur Zeit ihrer LP FIFTH DIMENSION) zu orientieren.
Die gesamte Atmosphäre von CRASHING DREAM läßt sich mit entspannt charakterisieren: Sanft hallen die Gitarren, seicht kriechen die Keyboards darüber, und verklärt-mystisch legen sich die Textlandschaften dazu. Man hat den Eindruck, daß sich diese Gruppe überhaupt nicht anstrengen muß, wenn sie unter der Sonne Kaliforniens ihren melodiösen Folk-Rock mit Reminiszenzen an die 60er Jahre spielt. Irgendwo weisen sie in ihrem Gefühl für Melodik und Pop gar Ähnlichkeiten auf mit den ungleich populäreren Vertretern dieses Musikstils: Irlands U2.
(Platte des Monats)

Harald InHülsen in Musik Express 2-86

ME/S-Review

Schließlich haben sie es doch noch geschafft, sich einen Platz zwischen meinen anderen Platten zu erobern. Es war kein kühner, großer Feldzug, sondern ein relativ stilles, fast schon an Langeweile grenzendes akustisches sich Vorarbeiten. Die fünf Leute der Rain Parade sind weder erst gestern überraschend aus dem Boden gewachsen, noch vermögen sie sonst ein irgendwie geartetes Überraschungsmoment zu liefern. Beim ersten Durchhören schrie es förmlich nach: Bitte jetzt wenigstens eine Coverversion von ... vielleicht "Knocking on Heaven's Door". Aber nichts da. Die Rain Parade haben sich darauf versteift schöne, ja wirklich schöööne amerikanische Songs zu schreiben, die durch ihr Schönsein viel, viel näher an der Kitschgrenze entlanghangeln als Green on Red. Gegen die Weichheit und das "Wir möchten gerne etwas komplizierter sein"-Gehabe der Rain Parade wirkt der Rest der "neuen amerikanischen Bands" wie frische Holzhacker.
Die treten forsch auf, spielen zehnmal das gleiche Stück und treten forsch wieder ab. Rain Parade versuchen sich auf zum größten Teil akustischen Wegen, wobei sie sich sogar auf kleine, verschlungene Trampelpfade einlassen, denen nachzuspüren und zuzuhören (s. "Secret Country" und "Gone West") dem wahren Amerikanophilen große Freude bereiten dürfte.

Jutta Koether in SPEX 1-86

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